In seiner Nähe die Weite finden

In seiner Nähe die Weite finden

Auf Rügen, wo ich einmal im Jahr eine Woche Urlaub mache, gibt es ein idyllisches Plätzchen, das ich besonders liebe. Dort kann ich mich – in meinem Rollstuhl – auf eine kleine Anhöhe stellen und trotzdem ganz nahe am Wasser sein. Ich genieße es, den Horizont zu sehen und die Wellen rauschen zu hören. Die Weite des Meeres zeigt mir jedes Mal, dass Gott noch weit mehr zu bieten hat, als nur meine alltäglichen Sorgen, K(r)ämpfe und Schmerzen. Hier kann ich aufatmen, durchatmen.

   Kaum stehe ich an diesem Ort, da habe ich auch schon meinen Lieblingsbibelvers vor Augen: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9). Mir wird klar, wie frei ich in Gott sein darf. Denn der Vers zeigt bildlich: Nichts und niemand kann mir zu nahe treten. Über mir ist der Himmel, von dem aus Gott auf mich sieht. Und unter meinen Füßen beziehungsweise Rädern befindet sich fester Boden. 

   Im Psalm 31 erzählt David von „Bedrängnissen der Seele“. Er deutet auf Feinde hin, die ihm zu schaffen machen, die ihm die Luft zum Atmen rauben, die ihn in die Enge treiben.

   Kennen wir das nicht auch? Manchmal wird es eng – für uns. Wie oft müssen wir uns einschränken!? Der eine hat keine Arbeit und damit finanzielle Schwierigkeiten. Einem anderen wächst die Arbeit über den Kopf. Er findet kaum Zeit für die Familie. So mancher unter uns ist schon älter und kommt täglich an die Grenzen seiner Kraft. Nicht selten sind wir selbst unser größter Feind, weil wir uns ablehnen oder uns von eigenen Ängsten behindern lassen…

   Trotz aller Nöte ist der „weite Raum“ für den Psalmisten ein Zufluchtsort. Schließlich gibt er dem Allmächtigen Raum, indem er vertraut, dass er jede Woge glätten kann und dass es – am Ende – stets einen Silberstreif am Horizont gibt. König David entscheidet sich, an das Gute, an den Guten zu glauben. Und das macht sein Herz weit. 

   Auch wir können das immer wieder erleben – gerade in „Bedrängnissen“. Und das hat Gott mir nicht nur auf Rügen gezeigt: Wenn wir Seine Nähe suchen, werden wir das Weite finden!

Autorinjanaschumacher

Ich bin Baujahr 1970 und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

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    Liebe Jana Schumacher!

    In Ihren Texten kann ich Trost finden. Als neugierige Leserin von „Nicht auf den Kopf gefallen, oder?“, kann ich mir ihre täglichen Kämpfe vorstellen. Und ich empfinde viel Dankbarkeit, wenn ich mal wieder da sitze mit meinen Zweifeln, die Hoffnung Ihrer Texte einzuatmen. Gerade heute hat mich mein Fahrrad wieder ins Weite getragen. Wind und Regen machten es besonders schwer, aber auch besonders schön, von der Stadt in die Natur zu kommen. Es fühlt sich gut an, den Blick und damit auch das Herz zu weiten!

    Vielen Dank für die wunderbare Andacht!

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