Das Geschenk des Vertrauens

Es geschah auf einem Kreuzfahrtschiff

   Alle Passagiere genossen ihren Urlaub; sie freuten sich über Sonne, Sommer und das Mee(h)r

   Unter ihnen war auch ein kleines Mädchen, das ohne Mama und Papa oder die Großeltern an Bord zu sein schien. Während der gesamten Reise wurde es nur allein gesehen, obwohl es anscheinend trotzdem seinen Spaß hatte und über das ganze Gesicht strahlte.

   Eines schönen Tages kam ein heftiger Sturm auf. Die Wellen schubsten das Schiff hin und her. Es regnete in Strömen. Die Mitreisenden saßen alle im selben Boot, denn sie hatten Angst davor, dass sie bald Schiffbruch erleiden mussten. 

   Nur das Mädchen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Es sah jetzt keinen Grund, alles grau in grau zu malen. Im Gegenteil: Auch in dieser Situation war sie damit beschäftigt, ein wenig Farbe auf den Zeichenblock zu bringen. 

   Ein alter Herr, dem das Wasser bis zum Hals stand, sprach die Kleine daraufhin an. „Hast du denn keine Angst?“

   Sie schüttelte den Kopf. Und dann sah sie kurz auf und entgegnete: „Warum sollte ich: Mein Vater ist doch der Kapitän!“

Das Geschenk der Hingabe

Ich sitze am Tisch, und mein Blick fällt auf die Kerze. „Wie hell sie leuchtet – in dieser dunklen Jahreszeit…“, staune ich strahlend.

   „Danke, dass du das für mich tust, kleine Kerze!“, sage ich leise zu ihr.

   „Gern geschehen…“, höre ich sie plötzlich sagen. „Was soll ich denn sonst machen? Ich bin doch geschaffen, um Licht zu spenden. Du sollst dich freuen können – an mir, an meiner Helligkeit, an der Wärme…“

   „Ja, aber – hast du keine Angst? Das Feuer verzehrt dich doch. Und irgendwann bist du völlig abgebrannt…“, wollte ich von ihr wissen.

   „Na ja, ganz ehrlich: Am Anfang ist mir das ziemlich auf den Docht gegangen. Aber ich habe ja die Wahl gehabt: Ich hätte dich bitten können, mich einfach nur zur Zierde auf das Regal oder auch in den Schrank zu stellen, doch dann würde ich dich im Dunkeln sitzen lassen; es wäre kalt in diesem Zimmer. Und – dafür bin ich einfach nicht gemacht! Mein Leben bekommt erst dadurch Sinn, dass ich brenne – für dich … hier. Insofern gebe ich alles … mich selbst, bis ich – früher oder später – nicht mehr bin. Ich tue das wirklich gern; das ist meine Bestimmung.“

   Bis dahin war ich geistlich umnachtet, aber nun leuchtete mir ein. „Ich möchte auch brennen! Schließlich bin ich ja ‚ein Kind des Lichtes‘!“ (Epheser 5,8) 

   Auch ich habe die Wahl: Ich kann mich zurückziehen, aber dann bleibt es kalt und dunkel um mich herum. Oder ich gehe auf Menschen zu und verbreite Wärme und Liebe. Dann lebe ich meiner Berufung gemäß. Mein Leben bekommt Sinn. Aber dafür muss ich etwas von mir selbst geben – etwas von meiner Freude, von meiner Herzlichkeit, von meinem Strahlen.

   Das Leben der Kerze ist mir zum Bild, zum Vorbild geworden. Mir ging ein Licht auf – durch ihren hellen, wahren Schein!

Das Geschenk der Gegenwart

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche setzte sich ein Mann am Wochenende müde, fast ein wenig lebensmüde auf die Bank in seinem Vorgarten und schlief ein.

   Im Traum erschienen ihm drei Frauen. Die erste war sehr hager. Sie trug einen schwarzen Mantel und kam ihm fast vor wie „der Tod auf Latschen“. Ohne den Mann richtig anzuschauen, redete sie – ohne Punkt und Komma – auf ihn ein: „Weißt du noch…? Damals – als Kind – hast du so sehr darunter gelitten, dass dein Vater mehr in seiner Firma war als zu Hause. Wie gern hättest du mit ihm an deiner Eisenbahn oder später am Motorrad gebastelt, aber er war immer gestresst … erschöpft … geschafft. Er hatte keine Zeit für dich … wollte Geld verdienen, damit er euch alles kaufen konnte, was ihr brauchtet. Wirklich gut meinte er es, bis der Schock kam … mit 56 … der Herzinfarkt. Wie wütend, wie traurig, wie erschrocken warst du, als ihr ihn viel zu früh zu Grabe tragen musstet. Natürlich zeigtest du niemanden deine Gefühle; du musstest ja stark sein – für den Rest der Familie… Dann übernahmst du die Firma. Du wolltest alles anders machen als dein Vater. Du hattest vieles umstrukturiert … erweitert … vergrößert, sodass du echt erfolgreich wurdest. Aber deine Kinder…  Und – warst du auch für deine Partnerin da, bevor sie fortging?“

   Die zweite Frau trat hervor. Sie war zwar groß, aber irgendwie schien sie auch klein zu sein … wie jemand, der noch gar nicht richtig entwickelt war. Auch sie schaute an dem Mann vorbei und sprach zu ihm: „Wenn du so weitermachst, dann… Du weißt ja nicht, was ich weiß. Aber an deiner Stelle würde ich mir Sorgen machen; ich würde Angst kriegen. Deine Tochter wird… Und deine Partnerin plant auch schon…“

   Vehement schob die dritte Frau die zweite beiseite. Als einzige war sie hell gekleidet. Ihr langes blondes Haar wehte im Wind, und dadurch hatte sie etwas Lebendiges an sich. Mit sanfter Stimme ermutigte sie den Mann: „Sieh dich um … wie schön die Welt ist. Der Himmel ist blau. Die Blumen in deinem Vorgarten blühen. Und – du bist gesund…“ Die Frau setzte sich zu dem Mann auf die Bank, umarmte ihn – wie eine gute Freundin und sah ihn direkt an … für einen langen Augenblick. „Ich kann dir helfen, aufgeweckt durch dein Leben zu gehen … bewusst zu fühlen … anders zu denken … Dinge zu ändern. Du müsstest dich allerdings ganz auf mich einlassen…“

   „Wer bist du denn?“, wollte der Mann – neugierig und von dem Liebreiz dieser Frau angezogen – wissen.

   „Darf ich vorstellen?“, antwortete sie, während sie zunächst auf die anderen beiden verwies. „Das ist meine große Schwester: die Vergangenheit. Sie ist eigentlich schon längst von der Bildfläche verschwunden … lebt gar nicht mehr richtig. Und das ist meine kleine Schwester: die Zukunft. Im Grunde spielt sie überhaupt noch keine Rolle … ist nicht einmal geboren. Nur ich bin im Augenblick real. Ich lebe mit dir, für dich, durch dich. Mein Name ist Gegenwart.“

  Der Mann wachte auf und erkannte, welche Hoffnung der Traum in ihm geweckt hatte. Denn während die Vergangenheit ihm bislang und gerade wieder nur vor Augen gehalten hatte, was in der Rückschau an Schmerzhaftem zu sehen war, nahm die Zukunft ausschließlich das Sorgenvolle und Ängstliche in den Blick. Doch die Gegenwart guckte – mit ihm zusammen – auf die Chancen im Heute, Hier und Jetzt. Sie legte es in seine Hand, das Leben zu umarmen … Rückschlüsse zu ziehen und vorausschauend Veränderungen vorzunehmen. Und so wurde die Gegenwart seine neue, beste Freundin, die ihm Aufmerksamkeit schenkte. Und das war traumhaft!

Das Geschenk der Einmütigkeit

Durch einen Unfall war eine Frau gezeichnet. Und nun zeichnete sich ab, dass sie zum wiederholten Male operiert werden musste, wovor sie sich verständlicherweise fürchtete.

   Als sich eine Seelsorgerin an diesem Tag zu ihr an das Bett setzte, wurde die Frau gefragt: „Wie fühlen Sie sich heute?“ 

  „Ach, irgendwie schlagen zwei Seelen in meiner Brust!“, gestand die kranke Frau. „Ich bin so froh, dass ich überlebt habe. Dadurch habe ich begriffen, dass ich stärker bin, als ich denke. Das Leben hat noch etwas mit mir vor. Da möchte am liebsten der Tiger in mir ‘raus… Doch da ist auch noch diese andere Seite in mir!“, sagte sie zögerlich und voller Scham. „Ich spüre, wie viel Federn ich gelassen habe, seitdem ich hier liege. Die Krankheit macht mich so flügellahm… Vor meiner Familie reiße ich den Schnabel auf … riskiere die große Klappe, aber ich habe solche Angst vor der nächsten OP. Ich möchte am liebsten fliehen – weit wegfliegen.“

   Die Seelsorgerin hörte aufmerksam zu. Rasch kramte sie in ihrer Handtasche, um ihr Handy zu suchen – und zu finden. „Ich möchte Ihnen etwas zeigen…“, erwähnte sie, wobei sie auf dem Display scrollte. „Vor einiger Zeit habe ich ein Foto gemacht – von einem Graffiti-Kunstwerk, das ich selbst sehr imposant fand!“

   Als sie es entdeckt hatte, hielt sie der Verunglückten das Handy so vor das Gesicht, damit sie es gut sehen konnte: Ein Tiger saß ganz friedfertig am offenen Fenster eines Hauses und schaute völlig entspannt hinaus. Die Tatzen hatte er ruhig auf den Rahmen gelegt. Doch nur wenn man das Bild genauer betrachtete, nahm man den kleinen Wellensittich wahr, der absolut still auf einer der Vorderpfoten ruhte – ohne die Angst zu verspüren, gleich aufgefressen zu werden.

   „Das ist ja total unrealistisch…“, schätzte die kranke Frau ein.

   „Sicher, das mag sein… Da hatte der Künstler wirklich eine blühende Fantasie!“, gab die Seelsorgerin zustimmend zurück. „Deshalb habe ich das Foto auch nicht aufgenommen. Aber – ist es nicht so, dass die zwei in unserem Herzen wohnen – ein MächTiger und ein SchmächTiger? Wir haben beides in uns: das Starke und das Schwache, das Standhafte und das Flatterhafte. Wir zerfleischen und wir mausern uns. Das macht uns aus. Und nur wenn sowohl der Große in dem Kleinen als auch der Kleine in dem Großen in uns eins wird, können wir Ruhe finden. Das dürfen wir jeden Tag in Betracht ziehen – auch wenn eine Herausforderung vor uns liegt, der wir uns kaum gewachsen fühlen!“

   An diesem Tag wurde die Seelsorgerin ein großer ErmuTiger für die kranke Frau. Und das hat mir ein Vögelchen gezwitschert…

Das Geschenk der wunden Punkte

Es war einmal in Wunderland…

   König Wundervoll und Königin Wunderbar regierten in dem Reich schon viele Jahre. Und sie machten ihre Sache wirklich gut. Denn ihren Untertanen fehlte es an nichts. Obwohl sie dem Königspaar Abgaben leisten mussten, hatten sie selbst genug, um sich wunderschöne Häuser zu bauen und wunderhübsche Kleider zu tragen. Aber trotzdem waren die Menschen in Wunderland ein wenig wunderlich. Anstatt sich über das zu freuen, was sie besaßen, verglichen sie einander. Dennoch gaben die Menschen in Wunderland vor, dass sie glücklich waren, ihre Mitmenschen liebten und in keinem anderen Wunderreich leben wollten. Denn an dem Ort, wo sie wohnten, schien alles so perfekt, so vollkommen, so wunderherrlich zu sein.

   Eines Tages wurde dem König Wundervoll und der Königin Wunderbar ein Kind geboren. Es war ein echter Wunderknabe namens Wundersam… Doch – im Gegensatz zu allen anderen Mitbewohnern war das Wunderkind nicht so wunderschön wie sie. Es hatte nämlich ganz viele schwarze Wunderpunkte im Gesicht und an seinem ganzen Körper. Draußen huldigten die Untertanen ihrem Königspaar natürlich zu. Aber in ihren Häusern lachten sie über den Wunderknaben. Für sie stand fest, dass ein Kind mit schwarzen Wunderpunkten nicht ins Wunderland passte. Da waren sie sich – ausnahmsweise – einmal alle einig.

   Der Wunderknabe wuchs heran zu einem Wundermann. Aber Wundersam fühlte sich klein. Und er litt unter seinem Aussehen. Denn die Wunderpunkte waren im Laufe der Jahre auch größer geworden. Obwohl er das Königskind war, spürte er, dass er von seinem Volk verachtet wurde. Deshalb beschloss er eines Nachts, heimlich, still und leise Wunderland zu verlassen. Er stieg auf sein Pferd und ritt davon … durch dunkle Wälder, tiefe Schluchten, weite Felder – bis zur Grenze des Landes. 

   Dort sah er schon von weitem eine kleine Hütte, in der noch Licht brannte. Da er und sein Pferd erschöpft von der langen Reise waren, überlegte Wundersam, ob er dort anklopfen sollte, um einkehren zu dürfen. Doch – welcher Wundermensch wollte mit einem Wundermann etwas zu tun haben, der von schwarzen Wunderpunkten gezeichnet war?

   Noch bevor er die Hütte erreicht hatte, öffnete sich die knorrige Tür. Ein weiser Wundergreis begrüßte das Königskind freundlich und bat ihn, bei ihm einzukehren. „Sei willkommen, Jüngling! Ich heiße Wunder-Rat!“, stellte er sich Wundersam vor. „Mir ist wohlbekannt, dass du auf der Flucht bist – vor den Blicken der Leute und vor dir selbst!“

   Wundersam empfand die Art des Wunder-Rats wunderlich. Denn dieser hatte bereits den Tisch für sie beide gedeckt und servierte nun die feinsten Köstlichkeiten. „Ich habe gewusst, dass du hier vorbeikommen wirst und schon einmal für uns vorgesorgt!“, machte er ihm klar. „Nun stärke dich, Königskind…“

   Nachdem die Teller leer und die Mägen der beiden gefüllt waren, sprach Wunder-Rat: „Wundersam, du hast den falschen Weg eingeschlagen! Du bist geboren, um einst Wunderland zu regieren. Doch – du musst lernen, dich selbst zu führen, bevor du ein ganzes Volk führen kannst.“

   „Wie meinst du das?“, wunderte sich Wundersam.

   „Du leidest darunter, dass die Menschen des Landes dich mit deinen Wunderpunkten nicht ernst nehmen – dabei ist dir noch gar nicht in den Sinn gekommen, dass jeder von ihnen solche hat … vielleicht nicht so offensichtlich wie du. Doch jeder lebt mit Kratzern, Rissen, Flecken…“

   „Bist du dir sicher?“, fragte Wundersam verwundert nach. „Hast du denn auch welche?“

   Wunder-Rat schwieg. Dann zog er ganz langsam die Ärmel seines weißen Gewandes hoch und zeigte seinem Gegenüber die beiden Narben an seinen Handgelenken. „Dafür verbürge ich mich sogar. Ich habe alles dafür getan, damit die Menschen offen, offenherzig mit ihren wunden Punkten, mit den Wunderpunkten umgehen können. Aber weil ich bei ihnen kein Gehör finde, hast du einen riesengroßen Auftrag. Du darfst zu deinen Schönheitsfehlern stehen und deinem künftigen Volk vorleben, dass eine große Schwäche eine große Stärke sein kann!“, erklärte Wunder-Rat dem baldigen König von Wunderland. „Reite zurück auf dein Schloss und bereite dich auf die ehrenwerte Aufgabe vor.“

   Wundersam nahm Abschied von Wunder-Rat. Auf dem schnellsten Weg galoppierte er zu seinem Vater Wundervoll und seiner Mutter Wunderbar zurück. Jetzt wusste er, dass seine Wunderpunkte ein Schatz waren, durch die er noch vielen Menschen etwas zeigen durfte… Seitdem er nämlich bei Wunder-Rat gewesen war, wusste er, was er tun musste. Er veränderte seine Haltung zu seinen Wunderpunkten. Er musste sich dafür nicht mehr schämen; er stand dazu. Und genau dadurch änderten die Menschen in Wunderland ihr Verhalten dem Königssohn gegenüber. Sie bewunderten ihn.

   Eines Tages war es dann soweit: Als König Wundervoll und Königin Wunderbar sehr alt geworden waren, übernahm Königssohn Wundersam die Herrschaft im Reich Wunderland. Er lud seine Unteranen in den wunderschönen Palast ein. Jeder, der fortan zugeben konnte, dass er Wunderpunkte mit sich trug, wurde in den Adelsstand erhoben. Die Menschen kamen vorsichtig und mit Ehrfurcht zum neuen König Wundersam und zeigten ihm mit ein wenig Scham ihre Wunderflecken, ihre Wunderrisse, ihre Wundernarben. An einer großen Tafel mit köstlichen Dingen begannen sie sogar, miteinander darüber zu reden. Sie rückten wieder zusammen und wurden wahrhaftig glücklich.

   König Wundersam regierte im Reich Wunderland noch viele, viele Jahre. Und – wissen Sie, mit wem er es gemeinsam tat? Der alte, weise Wunder-Rat stand ihm mit Rat und Tat stets zur Seite…

Das Geschenk der Wahrheit

„Der Tag“ und „die Nacht“ unterhalten sich. Aber eigentlich hat „er“ an „ihr“ nur etwas auszusetzen: 

   „Ich bin viel besser als du…“, meinte er, „Bei mir strahlt die Sonne. Nur ich kenne die Wärme und die Fröhlichkeit der Menschen… In mir sind sie stark und laut. Sie gehen ihrer Arbeit nach und sind so richtig lebendig. Aber bei dir, du dunkle Nacht, haben sie Angst. Sie schützen sich und frieren… Du bist nichts wert!“

   „Hast du eine Ahnung!“, erwiderte die Nacht. „Viele Menschen sind in dir ‚tolle Schauspieler‘. Sie tragen Masken, indem sie lachen, während sie bei mir weinen. Manche reden viel, aber im Grunde ihres Herzen sind sie schon lange sprachlos – durch das, was sie tagsüber erleben. Vielleicht haben sie in dir noch ihre Angst im Griff, doch nachts schreit die Seele auf…“, analysierte die Nacht. „Nein, lieber Tag, vielleicht lieben die Menschen dich mehr als mich – aber dafür bin ich ehrlicher als du!“

   Der Tag wurde ein wenig kleinlaut. „Tja, es stimmt schon, was du sagst…“, gab er offen zu. „Du hast etwas, was ich nicht habe…“

   „Aha,“, horchte die Nacht auf. „Was denn…?“

   „In dir können die Menschen Ruhe finden, zur Ruhe kommen. Im Vertrauen können sie loslassen, sich fallenlassen. Sie können hoffnungsvoll die Augen schließen, sich stärken, neue Kräfte sammeln – für mich. Nein, Nacht, du hast schon etwas ganz Besonderes an dir!“, erkannte der Tag. 

   „Ja, aber trotzdem bist du angesehener als ich…“, sagte die Nacht bedrückt. „Das wird auch immer so bleiben. Denn in mir verbirgt sich ein Schleier der Traurigkeit, der viele Menschenseelen benetzt. Ruhelose Herzen suchen ihre Heimat. Bei mir klopfen sie an, aber nur du, lieber Tag, kannst ihnen Wege, Auswege, Heimwege zeigen. Solange Gott uns beide nicht abschafft, wird es das geben.“

   Der Tag schlussfolgerte: „Und dieser Gott hat längst Licht ins Dunkel gebracht, indem er den Retter in diese Welt schickte. Er hat der Finsternis seine Macht genommen, damit es in den Menschenherzen hell werden kann!“

   „Stimmt genau!“, strahlte die Nacht.

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