Nicht einsam, sondern gemeinsam

Wieder lag ein dunkles Tal vor mir. Voller Angst und mit Tränen im Gesicht sagte ich zu meinem himmlischen Vater: „Wenn ich da schon durch muss – kannst du mir nicht wenigstens eine Fackel in die Hand geben, damit es ein wenig heller wird und ich mich nicht so entsetzlich fürchten muss?“

   

Aber mein Vater sah mich gütig an, reichte mir seine Hand und sprach: „Mein Kind, wozu brauchst du eine Fackel? Wir gehen zusammen durch das dunkle Tal. Und wenn du meine Hand nicht loslässt, wirst du erleben, dass du mir blind vertrauen kannst. Ich bin dein Licht und lasse dich niemals allein!“

   

Zögernd, zaghaft wanderten wir los und ich merkte, wie – Schritt für Schritt – der Weg erleuchtet wurde…

Von Kopf bis Fuß - beschenkt

Lieber Gott!

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir einen Kopf gegeben hast,

den ich nicht mehr hängen lassen muss.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir Schultern gegeben hast,

auf die ich manche Last zu nehmen vermag.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir ein Gesicht gegeben hast,

das ich – vor dir – nicht mehr verlieren werde.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir ein Rückgrat gegeben hast,

das ich zeigen kann.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir eine Stimme gegeben hast,

die ich für andere Menschen erheben darf.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir ein Herz gegeben hast,

das ich verschenken kann.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir Hände gegeben hast,

die ich nicht in den Schoß legen muss.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir Beine gegeben hast,

mit denen ich Menschen entgegengehen kann.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir Knie gegeben hast,

die ich vor dir beugen kann.

 

Ich danke dir dafür,

dass du mir Füße gegeben hast,

auf die ich – mit deiner Hilfe –  immer wieder fallen werde.

 

~ ~ ~ 

 

Ich danke dir dafür 

dass du meine Hauptperson bist,

für die ich – mit Leib und Seele – leben will.

 

AMEN  

Vernebelt

Lieber Gott!


Manchmal sehe ich alles „wie im Nebel“ – nicht nur in dieser Jahreszeit, sondern auch in meinem Alltag. Ich weiß nicht, wo es langgeht; ich sehe meinen Weg nicht… Ich sehe kaum die Hand vor meinen Augen. Es ist eben mehr, als keinen Dunst zu haben!


Im gewissen Sinne bin ich „geistig umnachtet“! Mein Verstand ist „wie vernebelt“ – und mein Herz irgendwie auch!

Doch dann gehe ich ihn … den ersten Schritt; ich gehe ihn im Glauben, dass du mich führst und leitest. 


Aus dem blinden Vertrauen heraus erkenne ich dann den nächsten Schritt. Es ist ein Wagnis in dem Augenblick, im Jetzt. 


Ich bin ganz unsicher, tappe mich ein Stück im Dunkeln voran. Doch mir wird klar: Je mehr Schritte ich wage, desto mehr erkenne ich den Weg, meinen Weg. 


Ja, und irgendwann bricht sich das Licht, die Sonne wieder Bahn. Jetzt wird mir – besonnen – sonnenklar, dass es eine gute Strecke ist, die du mich führst … und wenn ich zurücksehe, merke ich, wie „Gutes und Barmherzigkeit“ mir gefolgt sind – und das sogar „mein Leben lang“. (nach Psalm 23,6) Und – du warst auch immer bei mir! Dafür danke ich dir, mein Gott!


Wie „benebelt“ ich doch war…?!

Geh-danken

Lieber Gott, 

 

ich danke dir dafür,

 

dass ich jeden Morgen die Augen öffnen 

und die Welt aus deiner Sicht entdecken darf,

 

dass mir täglich frisches Wasser zur Verfügung steht 

und dass du mich immer wieder von Schuld rein wäscht,

 

dass ich genug Kleidung im Schrank habe

und dass ich jeden Morgen den neuen Menschen anziehen darf,

 

dass ich ein warmes Zuhause habe

und meinen Nächsten warmherzig gegenübertreten darf,

 

dass ich täglich meinen Magen mit guter Nahrung füllen darf

und dass du „das Brot für das Herz“ bist, 

das meine Seele durch dein Wort speist,

 

dass ich mich bewegen kann

und mich von den Anliegen, die dich und meine Mitmenschen beschäftigen, 

bewegen lassen darf,

 

dass ich einer Aufgabe nachgehe 

und dass ich mich in deinem Reich einbringen darf,

 

dass täglich meine Tür aufgeht

und dass ich immer wieder Engel beherbergen darf,

 

dass du mich täglich mit scheinbaren Selbstverständlichkeiten versorgst

und dass ich in dir geborgen bin, 

sodass ich mir nicht so viele Sorgen machen muss.

 

Vielen Dank, guter Gott, dass du mir täglich unverdiente Geschenke machst

und dass du dich mir selbst immer wieder schenken möchtest!

 

AMEN

Ausgefüllt

Gott, Du bist mein Ewig-Vater, wenn ich mich mutterseelenallein fühle.

 

Gott, Du bist mein Friede-Fürst, wenn ich mit mir selbst auf Kriegsfuß stehe.

 

Gott, Du bist mein Gott-Held, wenn ich auf verlorenem Posten fühle.

 

Gott, Du bist mein Wunder-Rat, wenn ich nicht mehr weiterweiß.

 

Gott, Du bist mein Morgenstern, wenn ich den rechten Weg nicht sehe.

 

Gott, Du bist mein A und O, wenn Menschen mir ein X für ein U vormachen.

 

Gott, Du bist mein Heiland, wenn ich heillos überfordert bin.

 

Gott, Du bist meine Auferstehung, wenn ich die Hoffnung begraben habe.

Anscheinend

Herr Jesus Christus,

 

 

ich danke dir dafür, dass du das Licht der Welt bist. 

Du kannst mein Dunkel erhellen,

damit ich selbst ein Abglanz von dir,

ein kleines Licht der Welt sein kann.

Ich bitte dich dafür, 

dass nur ein Funke deiner Liebe auf mich überspringt, 

damit ich für dich brenne

und Feuer und Flamme bin,

um andere Menschen anstecken zu können.

Ich möchte strahlen,

Ausstrahlung haben

und meine Nächsten zum Strahlen bringen,

sodass sie sich nicht blenden lassen,

sondern auch in deinem Licht leben 

und für dich leuchten wollen,

bis du erscheinen wirst – im Glanz deiner Herrlichkeit!

 

 

Amen

Aufgerichtet - Ausgerichtet

Anja hatte in der letzten Zeit so viele Schicksalsschläge, so viele Rückschläge erlitten, die sie nur noch umhauten. Jetzt lag sie am Boden und verspürte keine Kraft mehr, wieder aufzustehen.

   

Da kam die Mutter zu ihr. „Kind, warum sitzt du da im Schmutz? Komm hoch – schüttele den Staub von den Füßen und gehe einfach weiter!“

   

„Ich kann nicht…“, flüsterte Anja ihrer Mutter zu, die sich bereits ein Stück von ihr entfernt hatte.

   

Der Pastor näherte sich Anja. Und als er sie am Boden liegen sah, erinnerte er sie daran: „Dein Gott hat dir nicht den Geist der Niedergeschlagenheit gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Lass dich neu füllen mit seinem Heiligen Geist und dann komm’ und mache dich frisch ans Werk. In Gottes Reich gibt es viel zu tun!“ Anschließend ging er seiner Arbeit nach.

   

Dann bekam Anja Besuch von ihrer Freundin. „Du bist hingefallen, ja! Das passiert jedem Menschen von Zeit zu Zeit. Aber – jetzt: Krone richten, sich erheben – und weiter geht’s!“, riet sie ihr kurz, bevor sie Anja von ihren Problemen erzählte.

   

Ehrlich gesagt: Die vielen gutgemeinten Ratschläge erschlugen die Erschöpfte fast.

   

Dann … nach einiger Zeit … trat ein Mann in einem schneeweißen Gewand zu Anja. Zuerst bückte er sich. Dann kniete er nieder. Und zu guter Letzt setzte er sich zu ihr – in den Schmutz. Er ergriff Anjas Hände, umarmte sie – und schwieg.

   

Als Anja hörte, wie sein Herz schlug, wie sein großes Herz auch für sie schlug, fing sie an, ihm von ihren ganzen Tiefschlägen zu erzählen. Sie vertraute ihm alles an und spürte, wie leicht ihr ums Herz wurde. Seine Nähe und Zuwendung gaben ihr neue Kraft, sodass sie sich – zusammen mit ihm – wieder aufrichten und aufrecht vorwärtsgehen konnte… 

Schöner Dank oder Dankeschön

Lieber Gott!

 

Ich danke dir dafür, dass mein Wecker wieder so früh gebimmelt hat, 

denn das zeigst mir: Ich werde gebraucht!

Ich danke dir dafür, dass meine Hose schon wieder zu eng sitzt,

denn das zeigt mir: Ich habe genug zu essen!

Ich danke dir dafür, dass mein Kind Chaos in seinem Zimmer hinterlässt,

denn das zeigt mir: Wir haben ein Zuhause!

Ich danke dir dafür, dass ich heute so viel Geschirr abwaschen muss,

denn das zeigt mir: Der gemütliche Abend mit Freunden war schön!

Ich danke dir dafür, dass ich meinen miesepetrigen Kollegen sehen kann, 

denn das zeigt mir: Ich darf einer Tätigkeit nachgehen!

Ich danke dir dafür, dass ich mit dem Hund wieder nach draußen muss,

denn das zeigt mir: Ich konnte pünktlich Feierabend machen!

Ich danke dir dafür, dass das Fernsehprogramm mir heute nichts bietet,

denn das zeigt mir: Ich kann lesen!

Ich danke dir dafür, dass mein Partner gleich wieder zu schnarchen beginnt,

denn das zeigt mir: Ich bin nicht allein!

Ich danke dir dafür, dass ich mit dir, mein Gott, über alles reden kann,

denn das zeigt mir: Du lässt mit dir über alles reden!

 

Amen

In guten Händen

Alles, was war, Gott,

gebe ich in deine Hände.

 

Alles, was kommt, Gott,

nehme ich aus deinen Händen.

 

Alles, was mich bewegt, Gott,

lege ich in deine Hände. 

 

Alles, was du gibst, Gott,

empfange ich aus deinen Händen.

Karsamstag während der Corona-Pandemie

Lieber Gott,

 

ich danke dir für diesen Tag.

Es ist eine besondere, einzigartige Zeit – eine Zeit „dazwischen“:

 

– zwischen Tag und Nacht,

– zwischen Himmel und Erde,

– zwischen Glauben und Zweifel,

– zwischen Allmacht und Ohnmacht,

– zwischen Hoffen und Bangen,

– zwischen Licht und Finsternis,

– zwischen Anfang und Ende,

– zwischen Leben und Tod,

– zwischen Warten und Starten,

– zwischen Abschied und Wiedersehen,

– zwischen Gestern und Morgen.

 

Noch niemals hat mich diese Zeit zwischen Karfreitag und Ostern mehr berührt wie in diesem Jahr, in dem ich – gemäß der Jahreslosung – bekenne: 

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Markus 9,24) 

 

Amen

 

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