Der Sonnenschein

Der Sonnenschein

Der Pastor aus der Baptistengemeinde, in der ich fast 30 Jahre ein Mitglied war, nannte mich ganz oft: „Sonnenscheinmädchen“ – nicht nur, weil ich früher gern gelbe Oberteile trug, sondern auch, weil ich irgendwie ständig mit einem Lächeln auf den Lippen unterwegs war. Und unabhängig davon war und bin ich bis heute für meine besten Freundinnen „der Sonnenschein“. Manche sagen auch ganz einfach „Sonne“ zu mir…

Demnach strahle ich scheinbar etwas Lebendiges, etwas Helles, etwas Warmherziges aus. So ganz genau weiß ich bis heute nicht, was meine Umwelt in mir wahrnimmt, denn ich sehe mich ja schließlich von innen! Meine Schattenseiten kenne ich wohl besser als jeder andere Mensch. Und deshalb habe ich auch die Situationen aus meinem Leben vor Augen, in denen „der Sonnenschein“ in mir ganz allmählich seine Strahlkraft verlor.

Wer von euch meine Biografie „Nicht auf den Kopf gefallen, oder?!“ gelesen hat, weiß, dass ich innerhalb von acht Jahren sechs meiner Familienangehörigen verloren habe. Dadurch fiel ich unsanft aus allen Wolken. Als ein Verwandter auf dem Sterbebett dann noch andeutete, warum ich körperlich behindert bin, fing es in meinem Herzen kräftig zu regnen an.

Lange beobachtete ich von innen die Regentropfen, die manchmal sacht und manchmal heftig an die Scheibe meiner Seele klopften. Aber ich machte mir nicht bewusst, was sie zum Ausdruck bringen wollten. Ich strahlte stattdessen nach außen … heiter … weiter. Öffentlich versuchte ich, Menschen – nach wie vor – Mut zuzusprechen und zeigte dabei ein lachendes Gesicht… 

Weitere Misserfolge ließen nicht auf sich warten: Absagen von Verlagen auf eingereichte Manuskripte, enttäuschende Begegnungen mit Menschen, Diskriminierungen und auch Übervorteilungen… In meinem Herzen gesellte sich zum Regen auch noch der Wind hinzu – Gegenwind von außen und aus den eigenen Reihen…

Als dann vor einem halben Jahr noch ein persönlicher Schicksalsschlag hinzukam, verwandelte sich der Regen in mir in einen ungemütlichen Schneesturm, der mein Herz einfrieren ließ. Es wusste allmählich nicht mehr, wofür es überhaupt noch schlug… Aber ich hörte seine leise, flehende Stimme, die mir deutlich machte: „Ich möchte wieder Feuer fangen, brennen…“

Insofern suchte ich mir Hilfe. Der Sinncoach und Songpoet Andi Weiss war von Anfang an mit seiner warmherzigen und einfühlsamen Art wie eine Sonne für mich, der mein Herz nach und nach vom Eis befreite. So ganz allmählich taute es wieder auf… Und heute bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich künftig nur noch „der Sonnenschein“ für Menschen sein möchte. Mein Sein hat doch noch so viele andere Facetten. Vielleicht ist es auch gut, ab und an zum Regen zu werden, der das Land und andere Herzen befeuchtet. Auch der Wind ist wichtig, weil er Staub aufwirbelt; er kann sich zum Aufwind, zum Rückenwind für die Umwelt entwickeln. Ja, und selbst der Schnee wärmt den Boden und lässt die Natur zur Ruhe kommen, damit sie neue Kraft schöpfen kann, um nach dem Winterschlaf das Frühlingserwachen zu ermöglichen… 

Wie dem auch sei: Ich bin so froh und dankbar, dass ich mit Andi Weiss jede Wetterlage meines Herzens beleuchten durfte. Und genau deshalb ist mir sonnenklar geworden: Durch die Wolkendecke bahnt er sich immer wieder einen Weg: „der Sonnenschein“! 

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!