Das Nein in Nain entdecken

Das Nein in Nain entdecken

Ein Unfall – unvorhergesehen…

Die Zeit bleibt plötzlich für mich stehen.

Ich kann es immer noch nicht fassen!

Du hast mich einfach so verlassen!

Viel zu früh gingst du jetzt fort

ohne Abschied, ohne Wort.

In meinem Kopf – ’ne Menge Fragen.

Ich möchte dir noch vieles sagen:

wie du mir fehlst, wie ich dich mag

und dich vermisse … Tag für Tag.

Wir hatten doch so große Pläne.

Was bleibt, ist Leere … meine Träne. 

 

Ich kann das Ganze nicht verstehen.

Wie soll es denn jetzt weitergehen?

Die Trauer vernebelt meinen Blick.

Ich will dich einfach nur zurück…

Doch könntest du dich heut entscheiden,

du würdest bei dem Vater bleiben.

Du siehst jetzt mehr, dir geht es gut.

Das tröstet mich und macht mir Mut.

Es fällt nicht leicht: Ich lass‘ dich los.

Mein Horizont wird wieder groß. 

Denn du lebst in der Ewigkeit

ohne Kummer, Schmerz und Leid.

Du siehst jetzt Gottes helles Licht.

Dunkelheit, die gib’s dort nicht!

Menschen Schuld hat nichts verdorben.

Und der Tod ist auch gestorben!

Kniest ja längst vor Gottes Thron

freust dich sehr mit seinem Sohn,

dass du auf ewig mit ihm lebst

und sorgenfrei im Himmel schwebst!-

 

Hoffnung belebt nun meine Glieder –

ich glaub’ daran: Wir sehn uns wieder! 

 

Ich weiß nicht, was die Frau gefühlt und gedacht hat, um die es heute …. mehr oder weniger … geht — ob sie Gedanken und Empfindungen hatte, von denen wir gerade gehört haben. Sie hat schon ihren Mann verloren, ist früh Witwe geworden. Keine Ahnung, ob er einen Unfall hatte oder krank war. Das war schon schlimm genug. Aber dann hatte sie ihre Hoffnung – den Sohn, der sie an den Ehemann erinnerte, der ihre ganze Zukunft war. Wenigstens er ist ihr geblieben nach dem Tod ihres Mannes… Und dann stirbt auch dieser Junge – viel zu früh. Woran – wir wissen es nicht. Vielleicht denkt die Mutter jetzt auch: „Ich kann das Ganze nicht verstehen! Wie soll es denn jetzt weitergehen? Die Trauer vernebelt meinen Blick. Ich will dich einfach nur zurück…“

Aber hören wir uns erst einmal die ganze Geschichte aus Lukas 7,11-17 an:

„Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und diese Kunde von ihm erscholl im ganzen jüdischen Land und in allen umliegenden Ländern.“

Zwei Welten prallen hier aufeinander. Zwei Menschengruppen begegnen sich. Da ist zunächst der Zug des Todes, der sich gerade aus der Stadt Nain wegbewegt – zu dem, was wir heute Friedhof nennen. Es ist erschütternd, wie eigentlich jeder Tod. Nur die Dramatik ist hier besonders schlimm. Eine junge Frau hat – wie bereits erwähnt – erst ihren Mann und nun auch noch ihren Sohn verloren. Es ist der Zug der Traurigkeit, der Endgültigkeit. Alle weinen und sind am Ende. Vor allem die Frau weiß nicht, wie es weitergehen soll: Witwenrente bekam sie damals nicht. Für sie war der Sohn die Garantie dafür, dass es ihr auch in Zukunft einigermaßen gut geht, weil er verantwortlich war für das äußere Wohl seiner Mutter. Nun nimmt Gott ihr diesen Halt. Er nimmt ihr die Hoffnung, die Zukunft.

Damals in Israel kam noch eine andere Schwierigkeit hinzu: Man ging davon aus, wenn ein Mann unter 20 Jahren stirbt, muss das mit einem Schuldproblem seiner Eltern zusammenhängen. „Wer weiß, was bei denen nicht in Ordnung gewesen ist, dass Gott sie so straft.“ Könnt ihr euch vorstellen, was in der Frau vor sich geht?! Die Selbstanklage, die Selbstzweifel, vielleicht auch die Blicke der anderen. 

Aber demgegenüber kommt auf dem Zug des Tod eine andere Menschentraube zu. Es ist der Zug des Lebens, der Hoffnung und der Macht. Jesus führt diesen an, der von sich selbst sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Er stellt sich der klagenden, schreienden Menge. Er sieht die weinende Witwe, und er gebietet den Trägern Halt. Der Zug des Lebens stoppt den Zug des Todes. Jesus hat tiefes Erbarmen mit dieser gequälten Frau, und er ist erschüttert, dass hier der Tod – als der böse Feind – wieder einmal zu siegen scheint. Und darum wendet er sich dem Verstorbenen zu, indem er an den offenen Sarg tritt, die Decke zurückschlägt und den jungen Mann anspricht und sagt: „Jüngling, ich sage dir, steh auf!“ Und das Faszinierende geschieht: Jesus erweckt den jungen Mann zu neuem Leben.

Wir können uns vorstellen, dass die Leute damals nicht genug bekommen haben von diesem Wunder. Jesus hat einen Toten auferweckt. Er hat der Mutter den Sohn wiedergegeben. Jesus hat sich nicht mit dem Tod und der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens abgefunden.

Man sagt: Der Tod gehört zum Leben. Ja, in dieser Welt schon. Wo die Sonne scheint, entstehen auch Schatten. Und erst nach dem Winter folgt der Frühling. Nur wer traurig ist, wird getröstet. Solange wir hier leben, geht nicht alles glatt. Wir werden erleben, dass wir Wünsche begraben müssen, dass Träume und Hoffnungen sterben. Und geliebte Menschen natürlich auch. Aber Jesus ist stärker. Als der Auferstandene hat er – im wahrsten Sinne des Wortes – den Tod zum Teufel gejagt. Und deshalb gibt es Hoffnung.

Jeder von uns kennt Situationen, wo die Hoffnung stirbt, wo wir enttäuscht werden und Wünsche und Träume begraben müssen. – z.B. wenn man Freunde verliert oder von ihnen enttäuscht wird, wenn man in der Schule gehänselt oder auf Arbeit gemoppt wird. Manche begraben die Hoffnung, wenn sie eine schwere Krankheit bekommen. Es gibt so viele Situationen, wo wir, wo Menschen ihre Hoffnung begraben müssen. Doch diese Geschichte vom Jüngling zu Nain will uns eins lehren: Es gibt das Nein zu ausweglosen Situationen; ein Nein zur Hoffnungslosigkeit; ein Nein zum ewigen Tod – wenn wir an Jesus Christus glauben. Denn durch seinen Tod und vor allem durch seine Auferstehung steht uns die Tür zum Himmel offen. 

…und wenn mir uns mal vor Augen führen, was uns dort erwartet:    

Im Himmel gibt es kein Mobbing mehr. Weder Neid, Eifersucht noch Hass wird es dort geben. Alle Formen der Angst sind verschwunden. Auch Aids oder Krebs gibt es nicht mehr. Ja, überhaupt können uns im Himmel keine Krankheiten etwas anhaben. Brillen, Hörgerät, Gehstöcke, Rollstühle brauchen wir deshalb nicht mehr. Wir werden nie mehr weinen. Freude und Lachen, Tanzen und Singen stehen da ganz oben auf der Tagesordnung. Und vor allem werden wir Jesus Christus sehen, der uns den Weg freigemacht hat durch seine Erlösung und Errettung, die er für uns erlitten hat. Er selbst wird in einem so hellen Licht vor uns erscheinen, dass es keine Sonne mehr zu geben braucht. Und toll ist auch, dass er vorausgegangen ist, um uns Wohnungen zu erbauen und einzurichten, wo es weder Schimmel noch quietschende Türen geben wird. Also, wir dürfen uns freuen – so sehr, dass wir vor Freude Luftsprünge machen sollten. Übrigens: Diese Bedeutung hat das Wort Hoffnung eigentlich. Es kommt aus dem Mittelniederdeutschen, wo es „Hopen“ heißt, was den gleichen Ursprung wie „hüpfen“ hat.

Wir dürfen also hüpfen, aufgeregt herumzappeln – bei dem, was und  vor allem wer uns erwartet… Eine aufregende Zukunft liegt vor uns. Wir dürfen uns freuen. Und das sollte uns Kraft für die Gegenwart geben. Wenn wir – als Christen – unsere Schuld, Not und Zukunftsangst bei Gott abgeladen haben, dann haben wir den Rücken frei, um in einer Welt, die von Leid und Hoffnungslosigkeit gekennzeichnet ist, Hoffnungsträger zu sein.

Diese Welt braucht uns. Jeder von uns muss auf Hoffnungslosigkeit in dieser Welt gefasst sein und ihr begegnen. Vielleicht hast du mit dem Zug des Todes noch keine Erfahrungen gemacht. Und doch kennen wir alle Menschen, die ihre Hoffnung begraben haben. Und genau da sind wir gefragt, Hoffnungsträger zu sein. Wie können wir das tun? Unser heutiger Bibeltext gibt uns drei Gedankenanstöße. Er zeigt uns, wie der Hoffnungsträger schlechthin vorgegangen ist – Jesus. 

Erstens: Vers 13 „und als der Herr sah…“

Alles beginnt bekanntlich mit dem ersten Blick. Bewusst oder unbewusst entstehen sofort Bilder in unseren Köpfen, wenn wir einander begegnen. Das geschieht automatisch. Und sofort entstehen Urteile – manchmal auch Vorurteile: wie blond, blauäugig, naiv oder attraktiv, sympathisch oder unsympathisch… 

Aber – mit dem Zweiten sieht man ja bekanntlich besser. Der zweite Blick bewahrt uns davor, oberflächlich mit dem anderen umzugehen. Jesus hätte hinsehen und denken können: Was für ein klagender Haufen von Menschen. Und dann hätte er wieder wegsehen und seine Augen verschließen können. Aber er hat genau hingesehen. Er ist dem Leid nicht ausgewichen.

Wenn wir Menschen in Not ansehen, dann sollen sie unser Ansehen genießen, dann sollten wir sie mit Gottes Augen sehen. Jeder ist einmalig, gewollt, geliebt – unheimlich wertvoll. Deshalb haben sie unsere Beachtung, unsere Achtung verdient. Es geht auch bei uns darum, die Augen vor der Not nicht zuzumachen. Wer braucht meine Beachtung? Wo wird geweint? Wer ist hoffnungslos? Wo ist der eine Mensch, der meine Hilfe braucht. Hier war es auch nur einer. Das heißt: Wir müssen nicht alle retten. 

Zweitens: Vers 14: „Und Jesus trat hinzu und berührte den Sarg…“

Jesus berührte den Sarg. Das war etwas Außergewöhnliches. Denn Juden berührten keine Toten, weil sie Angst davor hatten, sich zu verunreinigen. Aber Jesus hatte keine Berührungsangst. Seine Hände greifen in das Kraftfeld des Todes ein und beschlagnahmen auch diesen Toten. Wie viel Hemmungen, Berührungsängste haben wir oft bei leidenden Menschen? Wenn wir uns auf die Not eines Menschen einlassen, dann fordert das Zeit, Kraft, Verständnis, Kreativität usw.. Vielleicht muss ich mich auf eine Beziehung einlassen. Das kostet etwas – oft auch Überwindung. Aber – eins ist sicher: Oft verliert man Berührungsängste, wenn man sich von dem Schicksal des anderen innerlich berühren lässt. Jesus war tief berührt von der Not dieser Frau. „Es jammerte ihn!“, heißt es. Sein Erbarmen bewegt etwas. 

Drittens: Vers 14: „Und Jesus sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!“

Jesus sagt nicht: Herzliches Beileid. Er greift ein, gibt dem Toten neues Leben. Sechs Worte reichen manchmal, um etwas zu verändern. 

Wir können kein neues Leben machen. Das kann nur der Schöpfer. Aber wir können auf ihn verweisen. Anstatt ein Klagelied anzustimmen und den Leidenden nur zu bedauern, können wir ihm Hoffnung machen, dass Gott das Leben will und neues Leben für uns bereithält, wenn wir ihm vertrauen. Das ist die neue Botschaft schlechthin: Jüngling, ich sage dir, steh auf – weil Jesus alles vorbereitet hat am Kreuz. Sein Tod schenkt uns neues, ewiges Leben. Und deshalb ist das die Einladung an die Menschen, die wir ihnen bringen dürfen: „Steh auf zu neuem, ewigem Leben mit Gott“. „Steh auf!“, können wir nur zu denjenigen sagen, die am Boden liegen, die ohne Hoffnung sind – niedergedrückt durch Angst, Schuld oder Trauer. Und dann können wir ihn auch die Hand zum Aufstehen reichen.

Wir dürfen Menschen ansehen, wobei sie unser Ansehen genießen. Wir dürfen uns innerlich von der Not berühren lassen und so Berührungsängste verlieren. Und wir dürfen einem Menschen beim Aufstehen helfen, d.h. ihnen die gute Nachricht von Jesus weitersagen. Das ist das Nein zur Ausweglosigkeit, das Nein zur Sprachlosigkeit, das Ja zum Leben. Das gibt Hoffnung. AMEN.

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!