Das Geschenk der Bewegung
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Das Geschenk der Bewegung

In meiner alten Praxis für Physiotherapie stand ganz groß das Zitat von Aristoteles an der Wand: „Das Leben besteht in der Bewegung.“ Das habe ich dort jedes Mal gespürt. Von allein kann ich meine Arme und Beine ja nicht richtig koordinieren, aber wenn mich die Physiotherapeutin durchbewegte, war ich hinterher immer viel lockerer. Und manche Blockade war von selbst gelöst…

   In der Bibel gibt es sogar einen Hinweis dafür, dass Bewegung nicht nur Leben mit sich bringt, sondern auch Heilung. Ja, sie kann vielmehr noch das Heil bewirken. Ich denke dabei an die Geschichte der zehn Männer, die an Lepra oder Aussatz litten. 

Jahrelang hatte ihnen die Krankheit zugesetzt. Sie waren förmlich festgesetzt, „ausgesetzt“ worden, mussten isoliert bleiben und ständig die Menschen, die sich in ihre Nähe verirrten, warnen, damit sie sich nicht bei ihnen ansteckten. Was war das für ein Leben?

   Aber dann kam eines Tages ihre Chance; Jesus Christus kam in ihre Nähe. Da sie schon viel über ihn gehört hatten, riefen sie aus Leibeskräften, dass er sich ihrer erbarmen sollte. Und – er tat es, aber nicht auf die Art, wie sie es sich vorgestellt hatten. Er sagte nur: „Geht hin und zeigt euch den Priestern.“ (Lukas 17,14) Was war das für eine merk-würdige Aufforderung. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, dass Jesus nur ein Wort sprach, damit sie gesund wurden… 

   Im vollen Vertrauen machten sie sich auf den Weg – zu dem damaligen Gesundheitsamt, dass nur bestätigen konnte, dass die Männer wieder am normalen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen durften. Sie setzten sich in Bewegung, wobei das Wunder passierte. In Lukas 17,14 steht: „Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.“

   Die aufregendsten Erfahrungen macht der Mensch wohl, wenn er – auf Gottes Geheiß – losgeht; wenn er fährt; wenn er sich von ihm bewegen lässt und sich bewegt. Denn dann erweitert sich sein Horizont. Das spürten auch die zehn Männer hautnah, obwohl nur einer von ihnen zu Jesus Christus zurückkehrte, um ihm zu danken. Er war nicht nur vom Aussatz, sondern auch im Ansatz geheilt; er hatte das Heil erfahren!

   Was ist aber nun, wenn sich ein Mensch immer weniger bewegen kann, wenn sein Bewegungsradius kleiner wird? Lebt er dann auch immer weniger? Diese Fragen habe ich mir schon oft gestellt – zumal ich in einem Rollstuhl sitze.

   „Die Würde eines Menschen ist unantastbar.“ So steht es schon im Grundgesetz. Und – vom christlichen Standpunkt her ist der Mensch etwas wert, weil er lebt! Als einzige Lebewesen können wir denken. Und – von daher durfte ich selbst begreifen, dass Bewegungen in Hirn und Herz beginnen. Denn auch wenn ein Mensch vielleicht etwas von seiner äußeren Bewegungsfreiheit einbüßen muss, bleibt ihm die innere Freiheit, wie er darauf reagiert. Ich möchte mich diesen Herausforderungen jeden Tag stellen, obwohl – oder gerade weil – ich körperlich behindert bin. Ich möchte innerlich beweglich bleiben, um mit meinem Möglichkeiten noch viel bewegen zu können!

Autorinjanaschumacher

Ich bin Baujahr 1970 und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!
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