Auf-Blick

Auf-Blick

„Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ (Kolosser 3,2)

Die Aussage „Das Leben ist kein Spaziergang“ drückt ja mit anderen Worten aus, dass es durchaus Zeiten gibt, in denen nichts läuft … in denen wir nicht mehr das Rennen machen … in denen wir einen Gang herunter- oder heraufschalten müssen. Das heißt doch: Gerade in den Monaten, in denen uns der Corona-Virus in Schach hält und manchmal Matt setzt, kommt uns die Redewendung sehr, sehr nahe. Sie holt uns dort ab, wo wir derzeit stehen!

Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir ein, dass ich meinen letzten Spaziergang auf meinen zwei Füßen vor über 35 Jahren gemacht habe. Damals war ich in der Pubertät. Es war schon spürbar merkbar, dass ich bald nicht mehr laufen können würde. Doch – meine Eltern meinten es gut; sie wussten es nicht besser… Und so fuhren sie jeden Sonnabend an einen See, wo ich – an ihren Händen – etwa zwei Kilometer zurücklegen musste, was für mich nun tatsächlich „kein Spaziergang“ mehr war. Meine Beine krampften; der Rücken tat mir weh; und mein Herz war überhaupt nicht bei der Sache… (In meiner Biografie „Nicht auf den Kopf gefallen, oder?!“ können Sie mehr darüber erfahren!)

Ich werde wohl niemals die gut gemeinten Ratschläge vergessen, die mein Vater und meine Mutter mir immer und immer wieder mit auf den Weg gaben: „Geh doch gerade!“ „Sieh nach oben!“ „Setz die Beine ordentlich!“ „Dreh deine Füße nach außen!“ „Drück die Hand nicht so fest! Lass endlich mal locker!“ Auch wenn die beiden niemals so richtig locker ließen und ich irgendwann gar nicht mehr wusste, wie ich mich verhalten sollte, so kann ich diese Hinweise heute – mit einem gesunden Abstand – sehr gut auf mein Leben übertragen.

Ich möchte gerade durch das Leben gehen,  weil ich geradlinig sein will! 

Ich möchte die Beine ordentlich setzen, damit ich standhaft das Leben beschreiten kann!

Ich möchte die Hand nicht so fest drücken, sodass ich bereit bin, zur rechten Zeit loszulassen!

Ich möchte nach oben sehen, um nach meinem himmlischen Vater Ausschau zu halten!

Als junges Mädchen stand ich auf ganz wackeligen Beinen. Ich hatte immer Angst davor, dass ich hinfiel, dass ich mich verletzte, dass ich – früher oder später – keine Kraft zum Aufstehen, zum Aufsehen mehr hatte. Genau deshalb schaute ich bewusst die meiste Zeit nach unten, sodass sich mein Bewegungsradius, mein Sichtfeld sehr verkleinerte. Während ich also jede Unebenheit, jeden Stolperstein, jeden Schmutz auf dem Fußboden in Augenschein nahm, übersah ich das Blau des Himmels, das Grün der Natur, die Vielfalt der Farbenpracht in meiner Umgebung… 

Worauf konzentriere ich mich heutzutage? Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist es wichtig, einen unerschütterlichen Halt zu finden, damit ich die Haltung bewahren und mich angemessen verhalten kann. Wenn ich momentan bloß auf die Umstände sehe, dann drehen sich die Gedanken im Kreis und die Gefühle fahren Achterbahn. Nur im Aufblicken zu Gott wird das Herz wieder ganz neu ausgerichtet, aufgerichtet. Ich kann geradlinig sein, standhaft bleiben… Und ich darf – durch das Aufsehen – aufsehenerregende Dinge mit ihm erleben, die Mut und Hoffnung in Gang setzen, sodass ich die Gewissheit habe: Am Ende nimmt alles einen guten Lauf!

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!