Alles Mögliche oder das Mögliche sehen

Alles Mögliche oder das Mögliche sehen

Wisst Ihr, was? Der Mensch sieht alles Mögliche, aber Gott sieht das Mögliche, die Möglichkeiten! Wie oft denkt und sagt jeder von uns: Was wäre, wenn…? Viel zu oft leben wir im Konjunktiv, in der Möglichkeitsform und verpassen dadurch Gelegenheiten, weil wir uns nicht trauen, Dinge zu tun, die wir eigentlich tun möchten. Wir träumen unser Leben und leben nicht unseren Traum…

Ich habe einmal im Duden nachgeschaut, was da über den Konjunktiv steht. Passt auf: „Der Konjunktiv ist im Deutschen neben dem Indikativ und dem Imperativ einer der drei Modi eines Verbs. Da Aussagen im Konjunktiv häufig in den Bereich des Möglichen fallen, wird er auch als Möglichkeitsform bezeichnet. Der Konjunktiv zeigt jedoch nicht an, dass etwas möglich ist.“ Alles klar?

Ich habe mir einmal den folgende Reim auf das heutige Thema gemacht:  

Denken wir im Konjunktiv,

sind wir selten nur aktiv!

Wir lassen uns von Zweifeln leiten

und sehen nicht die Möglichkeiten.

Erst wenn wir nach dem Präsens streben,

beginnt das eigentliche Leben! 

Hast du schon einmal gesagt: „Ach, ich müsste wieder mal zwei Kilos abspecken, aber es schmeckt immer so gut!“? Es wäre gut für mich, wenn ich mehr Sport treiben würde, aber mein innerer Schweinehund hält mich ab!“? „Wenn ich gestern die Wohnung geputzt hätte, könnte ich heute etwas Schönes unternehmen!“ „Hätte ich meinen Zahnarzttermin nicht verschoben, müsste ich jetzt nicht mit Schmerzen herumlaufen!“? 

Oft denken wir Christen auch:

Wenn ich nur öfter beten würde…! Wenn ich nur mehr Zeit hätte, um einmal die oder den zu besuchen! Ich könnte ja einmal einen Kurs mitmachen! Auch mitarbeiten müsste ich ja…! 

Wäre ich doch so begabt wie andere! Irgendwie bräuchte ich Mut, um die oder den um Hilfe zu bitten! 

Ich müsste und ich würde, wenn ich hätte und könnte, aber ich bräuchte und dann wäre!

„Hätte, „Hätte, Fahradkette“. „Hätt‘ der Hund nicht geschi…, hätt‘ er den Hasen gefangen.“ Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär‘, wär‘ ich mein Vater Millionär.“ „Hätte, Wenn und Aber, alles nur Gelaber.“

All diese „Hätte“, „Wenns“ und „Aber“ halten uns auf, halten uns ab, von dem, was vielleicht, eventuell, womöglich möglich ist. Und die Fragen sind heute: „Muss das so sein? Wie können wir das ändern “ Auf dem Weg zum großen Glück beginnt immer alles mit dem kleinen Schritt, und diese Predigt soll Mut machen, ihn heute zu gehen.

Übrigens: Den Jüngern damals ging es auch nicht viel anders als uns heute. Sie hatten gesehen, was möglich sein könnte, wenn man ein bisschen mehr wie wie Jesus wäre, wenn man mehr glauben würde, wenn man mehr von ihm hätte. Sie waren damals schon „einige“ Schritte mit Jesus gegangen. Sie hatten miterlebt, welche großen Wunder er getan hat: Blinde konnten sehen, Lahme gehen, Wind und Wellen gehorchten ihm. Und sogar Tote weckte er auf. Das beeindruckte sie; das wollten sie auch können. Sie wollten nicht im Möglichen schweben. Sie wollten Taten tun wie er. Darum wollten sie auch so große Dinge tun können, dass sie Jesus irgendwann bitten: „Herr, gib uns größeren Glauben“

Wow, eigentlich hätte sich Jesus freuen können: Seine Schäfchen wollen im Vertrauen zu ihm noch wachsen. Sie wollen für ihn Bäume ausreißen, Berge versetzen. Haben wir diesen Wunsch eigentlich auch noch? Wollen wir einen starken Glauben haben?

Auf diese großartige Bitte seiner Nachfolger erwidert Jesus dann aber nur: „Wenn ihr Glauben hättet, so groß, wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer – und er würde euch gehorchen.“   

Ich habe hier ein Senfkorn. Seht Ihr? Es ist das kleinste von allen Samenkörnern. 

Das ist also die Antwort auf die Bitte: „Gib uns größeren Glauben.“ Ach, wie gern würde ich im Glauben Bäume ausreißen oder Berge versetzen. Aber will Jesus den Jüngern, dir und mir damit sagen: „Das schafft ihr nie!“ Ist mein Glaube noch nicht mal so groß wie dieses Senfkorn? Will mich Jesus kleinmachen, fertigmachen? Will er euch und mich deprimieren? Vielleicht hören manche unter uns nur den Anspruch, der in dieser Aussage Jesu steckt: Du musst mehr glauben! Du genügst nicht! Aber das stimmt nicht, wie so viele innere Stimmen, die uns nur anlügen….

Jesus möchte uns mit dieser Aussage anspornen, herausfordern, ermutigen. Es ist eine Zusage. Denn man kann diesen Bibelvers auch ohne das „Hätte, Könnte und Würde“ wiedergeben. Im Urtext heißt es nämlich: „Wenn ihr Glauben habt, so groß, wie ein Senfkorn, dann könnt ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer – und er wird euch gehorchen.“  Und das klingt doch schon ganz anders…

Schaut euch noch einmal dieses Senfkorn an: Vielleicht hättest du gerne einen größeren Glauben. Aber wenn du das Gefühl hast, er ist ungefähr so klein, wie solch ein Senfkorn, dann reicht das aus. Gott verlangt gar nicht mehr! Gott erwartet nicht, dass wir einen größeren Glauben haben müssten. Das Problem besteht darin, dass wir uns selbst manchmal unter Druck setzen, uns für unzulänglich halten. Wir denken oft, dass wir noch mehr tun müssten: Die ganze Welt auf einmal retten… Fünftausend Menschen gleichzeitig satt machen… Alle Kranken heilen oder jedem Toten neues Leben… 

Aber Gott denkt in anderen Dimensionen. Was für uns groß ist, ist für ihn oft klein. Und was uns klein erscheint, ist für ihn ganz groß. Was wäre, wenn Jesus das mit dem Senfkorn gar nicht so gemeint hätte, dass wir einen größeren Glauben haben müssten, sondern es ihm vielmehr darum ging zu sagen, dass wir mit dem Maß an Glauben, das wir haben – und sei es so winzig wie ein Senfkorn – unvorstellbare Dinge vollbringen können – können, nicht könnten. Wenn unser Glaube so klein ist wie ein Senfkorn, können wir die Welt trotzdem aus den Angeln heben. Die kleinen Dinge können Großes bewirken. Zum Beispiel: 

Wenn man jemanden anlächelt, bekommt man in der Regel ein Lächeln zurück.

Wenn man einem Rollstuhlfahrer die Tür aufhält, eröffnet man ihm manchmal neuen Welten.

Wenn man einer Mutter hilft, den Kinderwagen in den Bus zu heben, fällt ihr ein großer Stein vom Herzen.

Wenn wir einander öfter einmal „Danke“ sagen – für das, was wir so selbstverständlich tun, kann das eine große Ermutigung sein, weiterzuarbeiten.

Ein Satz reicht manchmal aus, damit ein anderer unter uns getröstet wird. 

Und was ist mit den Kilos, die wir abnehmen wollen? Jedes Gramm, das wir uns abhungern oder abtrainieren, ist ein Weg zum Wunschgewicht. Vielleicht fängst du mit fünf Kniebeugen oder ein bisschen Radfahren an, um Sport zu treiben.

Der Zahnarzt ist auch noch nicht weggelaufen: Ein Anruf genügt, damit du einen Termin hast und die Schmerzen los bist.

Auch in Gottes Reich kann Kleines Großes bewegen.

Das noch so kürzeste Gebet versetzt manchmal Berge.

Einen Abschnitt in der Bibel lesen, kann unsere Sichtweise verändern.

Sich in der Gemeinde einmal einzubringen, entlastet andere und kann deinem Leben neue Lebensqualität bringen.

Und es ist nun einmal so: Zehn Euro, die wir spenden, verändern die Welt eines Kindes. 

Der große Gott liebt die kleinen Dinge. Das hat er uns gezeigt und vorgelebt. Denn aus dem Nichts machte er die ganze Welt.  Aus einer Handvoll Erde schuf er die Menschen. Unbedeutende Leute wie Abraham, Mose oder David benutzte er, um Geschichte zu schreiben. Selbst hat er klein angefangen als Kind in der Krippe. In einer unbedeutenden Stadt begann er zu wirken. Aus einem klitzekleinen Senfkorn kann er einen respektablen Strauch bzw. Baum wachsen lassen. Und schließlich fing er damals mit zwölf einfachen Männern an, sein Reich zu bauen, die sich bis heute zu Christen auf der ganzen Welt vermehrten.

Insofern sollte es uns mit seiner Hilfe doch möglich sein, dem Konjunktiv – die Stirn zu bieten. Wichtig ist dabei, dass wir auf unsere Gedanken achten – uns nicht mehr fragen: Was würde ich tun?“ Sondern: Was werde ich tun?“ Wir dürfen klein anfangen; wir dürfen die Größe in den kleinen Dingen sehen, finden und in Angriff nehmen. Denn nur so werden wir – aus Gottes Sicht – Bäume ausreißen und Berge versetzen! AMEN.

Jana Schumacher

Ich bin Jana Schumacher und lebe in Rostock - an der Ostsee... Ich liebe das Meer; und ich liebe das Mehr, das Jesus Christus mir mehr und mehr ins Herz gibt: Himmel im Herzen!